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Interview 

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familienplattform spürt jeden Monat ein "Unternehmen des Monats" auf, das sich durch familienfreundliche Massnahmen auszeichnet. Im Monat September 2008 ist
es die B. Braun Medical AG in Sempach.

Die Redaktion hat folgendes Kurzinterview mit Herrn Markus Hertig,  Head of Human Resources and Legal Affairs, geführt:

Herr Hertig, wird es zunehmend schwierig, Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bringen?

MARKUS HERTIG: Die berufliche Belastung ist stark gestiegen, speziell bei Führungskräften. Wir haben auch bei B. Braun festgestellt, dass sich Erkrankungen mit psychischen Ursachen gehäuft haben – das ist ein Hinweis darauf, dass der Spagat zwischen Arbeit und Privatleben immer schwieriger wird.

Warum sind die beruflichen Belastungen gestiegen?

Es gibt sehr viele Projekte, die parallel laufen, der Rhythmus hat sich eindeutig erhöht und mit ihm der Entscheidungsdruck. Allein die Informationsflut ist eine grosse Herausforderung: Wenn ich heute einen Tag nicht im Büro bin, dann finde ich am nächsten Tag im Minimum 50 Mails vor. Früher war man in einem solchen Fall schlicht nicht erreichbar, heute gibt es aufgrund von Mail und Handy kein Entkommen. Zudem erfordert die zunehmende Komplexität von Aufgabenstellungen  mehr Koordinationsaufwand und dadurch auch mehr Zeit zur Erledigung.

Man könnte sagen, es sei die Sache jedes Einzelnen, damit klar zu kommen. Warum hat sich B. Braun entschieden, als Arbeitgeber aktiv zu werden?

Wir haben bereits vor fünf Jahren erste Massnahmen im Gesundheitsmanagement getroffen. Damals mussten wir etwas unternehmen, weil die Absenzenrate überdurchschnittlich hoch war. Ausgehend von unserer Gesundheitsumfrage gründeten wir an allen Standorten so genannte „Take Care Teams“, bestehend aus motivierten Angestellten, welche die Situation analysierten, Verbesserungsvorschläge erarbeiteten und seither verschiedenste Massnahmen zum Thema „Gesundheit“ anbieten.

Sie übernehmen als Arbeitgeber 50 Prozent der Kosten  für Kindertagesstätten  und Sie bezahlen Müttern, die mit reduziertem Pensum arbeiten, je nach Anzahl Kinder 15 bis 25 Prozent mehr Lohn. Welche Ziele verfolgen Sie mit diesen beiden Angeboten?

Es gibt leider noch viel zu wenige Kindertagesstätten. Mit unserem Engagement wollen wir ein Zeichen setzen und die Gemeinden ermutigen, in dieser Hinsicht noch aktiver zu werden. Weiter wollen wir den Angestellten helfen Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen. Uns ist es wichtig, dass Frauen auch dann im Berufsleben bleiben können, wenn sie ihre Kinder selber betreuen.

Das bringt nur dann etwas, wenn Teilzeitarbeit  möglich und akzeptiert ist.

Es kann hier tatsächlich zu Zielkonflikten kommen. Im administrativen Bereich ist Teilzeitarbeit eher möglich. In Vertrieb oder Produktion, wo wir in Schicht arbeiten, ist es schwieriger.

Und auf Kaderstufe ausgeschlossen?

Das nicht, aber die Akzeptanz ist dort noch eher gering. Wir hatten auch schon Kaderleute mit einem reduzierten Pensum, aber die meisten wollen das gar nicht. Wir sind uns jedoch bewusst, dass die Nachfrage steigen wird und wir als attraktiver Arbeitgeber diese Möglichkeit anbieten sollten..

Weiter zahlen Sie Angestellten, die kranke Familienangehörige betreuen und deshalb ihr Pensum reduzieren, 10 Prozent mehr Lohn. Sorgen solche Regelungen intern nicht für Spannungen?

Ich gebe Ihnen ein aktuelles Beispiel: Ein Mitarbeiter, dessen Frau schwer krank ist und über kurz oder lang gelähmt sein wird, reduziert jetzt sein Pensum auf 80 Prozent. Er sagt, solange er seine Frau pflegen könne, wolle er das selber tun und sie nicht in ein Heim geben. Man kann sich leicht vorstellen, dass er mit seinem 80-Prozent-Pensum mindestens so viel Leistung bringt wie mit einem Vollzeit-Pensum. Aber Sie haben Recht, es kann Spannungen geben. Der Betreffende arbeitet im Aussendienst, einem Bereich, wo Teilzeit nicht ganz einfach zu organisieren ist. Gegenüber Vorgesetzten muss ich deshalb manchmal Ueberzeugungsarbeit leisten.

Sie haben das Modell Anfang Jahr eingeführt, vorerst als einjähriges Pilotprojekt. Wie siehts mit der Nutzung aus und wie hoch sind die Kosten?

Bis jetzt machen 21 von insgesamt 800 Angestellten mit. Wir haben für dieses Jahr Kosten von knapp 100‘000 Franken budgetiert, so wie es im Moment aussieht, werden sie eher niedriger ausfallen. Längergfristig erhoffen wir uns nicht nur positive Auswirkungen auf die krankheitsbedingten Absenzen, sondern wir werden auch ein attraktiverer Arbeitgeber, dem es leichter fällt, gute Mitarbeiter zu halten respektive neue zu gewinnen. Wir hatten schon einige Bewerbungen aufgrund des „B. Braun for family“-Modells.

Nur 2,5 Prozent der Mitarbeiter profitieren davon, hätten Sie sich nicht eine bessere Nutzung erhofft?

Wir hatten keine Ahnung, wie viele das Angebot nutzen werden. Momentan haben wir  21 Mitarbeitenden im Programm und die Kosten sind überschaubar. Mittelfristig dürfte sich die Zahl aber erhöhen, haben wir doch bereits Signale von einigen Schwangeren, dass Sie dieses Angebot nutzen möchten. Wir freuen uns, wenn das Projekt erfolgreich weiterläuft auch wenn sich die Kosten dadurch erhöhen.

Auch das wäre verkraftbar angesichts des Rekord-Reingewinns von 26 Millionen Franken im letzten Jahr, den B. Braun in der Schweiz erzielt hat.

Das ist richtig. Wir sind ein Familienunternehmen – unser deutscher Konzernchef führt den Betrieb in der fünften Generation – und es ist klar, dass die Gewinne ins Unternehmen direkt reinvestiert werden. Die finanzielle Unterstützung von Angestellten, die Beruf und Familie vereinbaren wollen, ist nicht nur eine gute Investition in die Zukunft sondern auch eine Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft.

Herr Hertig, wir danken Ihnen für das Gespräch.

 

Kontakt und Information:
www.bbraun.ch

Pilotprojekt
Das Projekt „B. Braun for family“ ist vorerst auf ein Jahr beschränkt. Ende 2008 entscheidet die Geschäftsleitung, ob und in welcher Form es dauerhaft fortgeführt wird. In den Genuss der Unterstützung kommen generell nur Angestellte, die in den letzten zwei Jahren vor Inanspruchnahme unbefristet im Unternehmen beschäftigt waren. Für den Zuschlag aufs Bruttosalär und den Beitrag an die Kosten für Kindertagesstätten ist eine obere Grenze von 500 respektive 750 Franken (ab zwei Kindern) pro Monat festgelegt worden.


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